Gabriele Kunze schrieb über eine Insel, die sie aus ihrem Alltag kannte. Seit 1980 lebte die deutsche Journalistin auf Mallorca, wo sie als Kulturredakteurin, Kolumnistin und Buchautorin arbeitete. Ihre Themen reichten von Künstlern und Ausstellungen bis zu Gärten, regionaler Küche und alten Erzählungen. Beim Mallorca Magazin wurde sie zu einer festen Stimme für deutschsprachige Leser. Auch nach ihrer Pensionierung blieb sie der Zeitung verbunden. Als Kunze im Juli 2025 starb, hinterließ sie Zeitungsbeiträge und Bücher, die unterschiedliche Seiten ihrer Wahlheimat erschließen. Ihr beruflicher Weg führte vom Tourismus in den Journalismus – und mitten hinein in Mallorcas Kulturleben.
Gabriele Kunze im Überblick
| Merkmal | Angaben |
|---|---|
| Beruf | Journalistin, Kulturredakteurin, Kolumnistin und Autorin |
| Geboren | 30. Januar 1949 in Frankfurt am Main |
| Gestorben | 20. Juli 2025 in Palma de Mallorca |
| Lebensmittelpunkt | Seit 1980 auf Mallorca |
| Redaktion | Mallorca Magazin |
| Auszeichnung | „Europäerin des Jahres“ auf den Balearen, 2004 |
Vom Reisebüro zur Redaktion auf Mallorca
Nach dem Abitur studierte Kunze einige Semester Anglistik und Romanistik. Später eröffnete sie in Ratingen ein Reisebüro. Nach Stationen in Nürnberg und Hannover zog sie mit ihrem Ehemann Giovanni nach Mallorca.
Dort arbeitete sie zunächst als Reiseleiterin und schrieb für touristische Kundenmagazine und Reiseführer. Zeitweise leitete sie den deutschsprachigen Sender Radio Alemán. Mitte der 1980er-Jahre begann ihre Mitarbeit beim Mallorca Magazin. Damit wurde aus der Beschäftigung mit Reisezielen eine journalistische Laufbahn mit einem klaren geografischen Mittelpunkt.
Eine Kulturredakteurin mit vielen Gesprächspartnern
Wie handfest der Redaktionsalltag damals war, beschrieb Kunze 2021 in ihrem persönlichen Rückblick „Der schönste Tag war Dienstag“. Sie tippte ihre Artikel zu Hause in Puigpunyent auf einer mechanischen Schreibmaschine und brachte die Manuskripte nach Palma. In der Redaktion wurden die Texte erneut abgeschrieben und die Druckfahnen auf die Seiten geklebt.
Ihre Erinnerungen erzählen auch vom Wachstum der Zeitung. Als das Blatt einen Umfang von 48 Seiten erreichte, feierten Kunze und Chefredakteur Wolfram Seifert mit Sekt. Dienstags schrieb sie im Büro kurze Texte, die noch für die Ausgabe gebraucht wurden. Dazwischen lagen gemeinsame Mittagessen und Gespräche.
„Ich habe mit großem Vergnügen für das ‚Provinzblatt‘ gearbeitet, 28 Jahre lang.“ – Gabriele Kunze in ihrem Rückblick von 2021.
Zu ihren Interviewpartnern gehörten Peter Ustinov, Ephraim Kishon und Rita Süssmuth. Mit der größer werdenden Redaktion konnte sie sich stärker auf Kunst und Kultur konzentrieren. Später sprach sie unter anderem mit Christian Boltanski, Daniel Libeskind, Patti Smith und dem Fotografen Martin Parr. Diese Namen geben einen Eindruck davon, welche internationale Kulturszene sie auf Mallorca begleitete.
Ihre Bücher: Inselgeschichte, Bilder und Märchen
„Das große Mallorca-Buch“
2002 erschien im Ellert & Richter Verlag „Das große Mallorca-Buch“. Kunze schrieb die Texte, der Bildjournalist Norbert Kustos lieferte die Fotografien. Der großformatige Band umfasste 280 Seiten und verband die visuelle Darstellung der Insel mit ausführlichen Hintergrundkapiteln.
Neben Geschichte und Kultur behandelte Kunze Künstler, Klöster und Gärten. Insgesamt gliederte sich das Buch in 22 Kapitel und einen Anhang. Die damalige Buchbesprechung im Mallorca Magazin ordnete es als Bildband ein, der zugleich Anregungen für eigene Erkundungen bot.
Wer sich für Kunzes Arbeit interessiert, findet hier deshalb einen anderen Zugang als in ihren Zeitungskolumnen: Der Raum eines ganzen Buches erlaubt es, Landschaft, historische Zusammenhänge und kulturelle Orte gemeinsam zu betrachten. Text und Fotografie ergänzen sich dabei als zwei Perspektiven auf dieselbe Insel.
„Mallorca – Geschichten & Märchen“
Mit „Mallorca – Geschichten & Märchen“ folgte 2013 eine literarische Veröffentlichung mit Zeichnungen des Schweizer Künstlers Rudy Schwizgebel. Der Band vereint 20 Geschichten. Ein Teil stammt von Kunze selbst, andere Texte erzählen überlieferte mallorquinische Märchen in ihren Worten neu.
Zu dieser Überlieferung gehören Geschichten, die bereits Erzherzog Ludwig Salvator und der Geistliche Antoni Maria Alcover gesammelt hatten. Kunzes Buch knüpft damit an die Erzählkultur der Insel an. Tiere, Pflanzen und fantastische Gestalten begegnen darin menschlichen Wünschen, Ängsten und Konflikten.
Die Erzählungen richten sich an Kinder und Erwachsene. Ihre Bedeutungen erschließen sich jedoch je nach Lesealter unterschiedlich. Einführende Absätze stellen Verbindungen zu Mallorca her und greifen auch den gesellschaftlichen Wandel auf. So bleibt die Insel im Buch mehr als eine Kulisse für Drachen, Prinzessinnen oder Fabeltiere.
Die Auszeichnung als „Europäerin des Jahres“
2004 wurde Gabriele Kunze auf den Balearen als „Europäerin des Jahres“ ausgezeichnet. Ein zeitgenössischer Bericht des Majorca Daily Bulletin dokumentiert die Preisübergabe durch den damaligen balearischen Regierungschef Jaume Matas im Palau March in Palma.
Die Ehrung galt ihrem Beitrag zur Verständigung zwischen Deutschen und Mallorquinern. Ihre Arbeit hatte damit auch eine vermittelnde Funktion: Sie machte kulturelle Zusammenhänge für Menschen zugänglich, die Mallorca besuchten oder dort lebten und auf Deutsch lasen.
Der Ruhestand ließ Platz für weitere Texte
2014 verabschiedeten Kollegen und Verlagsleitung Kunze aus dem regulären Redaktionsdienst. Bei der Feier würdigten sie ihre künstlerische Sensibilität und ihre Rolle als Ansprechpartnerin für Fragen zur Insel. Das Team schenkte ihr einen Schaukelstuhl für ihr Haus bei Puigpunyent.
Schon der damalige Bericht hielt fest, dass sie weiterhin für ausgewählte Themen schreiben werde. Der Übergang bedeutete also mehr Freiheit bei der Arbeit. Ihre Verbindung zur Redaktion und zu den Lesern bestand fort.
Ihr Tod im Juli 2025
Gabriele Kunze starb am 20. Juli 2025 im Alter von 76 Jahren im Krankenhaus Son Espases in Palma. Zehn Tage zuvor war sie in ihrem Haus gestürzt und hatte einen schweren Hüftbruch erlitten.
Bis kurz vor dem Unfall arbeitete sie weiter: Wenige Tage zuvor hatte sie der Redaktion zwölf fertige Kolumnen geschickt. Das Mallorca Magazin kündigte im Nachruf an, diese Beiträge noch zu veröffentlichen.
Häufige Fragen zu Gabriele Kunze
Wofür war Gabriele Kunze bekannt?
Sie war vor allem als Kulturredakteurin und Kolumnistin des Mallorca Magazins sowie als Autorin von Büchern über die Insel bekannt.
Seit wann lebte sie auf Mallorca?
Kunze zog 1980 auf die Insel. Ihr Haus lag später in den Bergen bei Puigpunyent.
Welche Bücher schrieb Gabriele Kunze?
Zu ihren Veröffentlichungen gehören „Das große Mallorca-Buch“ von 2002 und „Mallorca – Geschichten & Märchen“ von 2013.
Wann ging sie in den Ruhestand?
2014 beendete sie ihren regulären Redaktionsdienst. Anschließend schrieb sie weiterhin für das Mallorca Magazin.
Welche Auszeichnung erhielt sie?
2004 wurde sie auf den Balearen zur „Europäerin des Jahres“ ernannt.
Fazit
Gabriele Kunzes Werk verbindet journalistische Beobachtung mit Literatur und Inselgeschichte. Ihre Interviews, Bildbandtexte und Märchenerzählungen eröffnen jeweils einen anderen Zugang zu Mallorca. Gerade diese Bandbreite macht ihre Arbeit für Leser interessant, die auch das kulturelle Leben der Insel kennenlernen möchten.
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